Android unter dem DMA: Warum Google AI-Features nicht einfach löschen darf

Der Digital Markets Act (DMA) soll digitale Märkte fairer machen. Doch bei Android zeigt sich: Google nutzt Schlupflöcher, um Nutzerkontrolle zu untergraben. Die FSFE schlägt Alarm – und fordert unter anderem das Recht, AI-Features dauerhaft zu deinstallieren.

Android-Smartphone zeigt gesperrte AI-Features versus offene Löschbarkeit für Nutzerfreiheit
Der DMA will Fairness – doch Googles AI-Features bleiben unantastbar, wenn Nutzer keine Kontrolle haben.

Der Digital Markets Act (DMA) soll digitale Märkte fairer machen. Doch bei Android zeigt sich: Google nutzt Schlupflöcher, um Nutzerkontrolle zu untergraben. Die FSFE schlägt Alarm – und fordert unter anderem das Recht, AI-Features dauerhaft zu deinstallieren.

## Google installiert AI-Modelle ohne Zustimmung – und macht sie unlöschbar

Seit Jahren kritisieren Datenschützer und Open-Source-Aktivisten, dass Google auf Android-Geräten vorinstallierte Software nicht nur schwer zu entfernen, sondern teilweise sogar unmöglich zu deinstallieren ist. Doch das Problem geht heute weiter: AI-Modelle werden ohne Wissen oder Einwilligung der Nutzer installiert und belegen oft mehrere Gigabyte Speicherplatz. Noch problematischer: Diese Modelle lassen sich nicht vollständig entfernen – und Google reaktiviert sie im Hintergrund.

Laut einem Bericht der Free Software Foundation Europe (FSFE) aus dem Juni 2026 handelt es sich dabei nicht um Einzelfälle, sondern um ein systematisches Problem. Die FSFE hat im Rahmen der DMA-Konsultation der Europäischen Kommission konkrete Forderungen gestellt, darunter:

- Das Recht, AI-Features dauerhaft zu deinstallieren – ohne dass Google sie heimlich wieder aktiviert. - Keine Verknüpfung von Interoperabilität mit Googles Entwickler-Verifizierung – Entwickler sollen Zugang zu Android-Funktionen erhalten, ohne sich Googles Bedingungen unterwerfen zu müssen. - Klare Regeln gegen Umgehungsversuche – Gatekeeper wie Google dürfen nicht durch technische Tricks (z. B. automatische Reinstallation) Nutzerrechte aushebeln.

### Warum das ein DMA-Verstoß sein könnte

Der Digital Markets Act (DMA) schreibt vor, dass Nutzer vorinstallierte Software deinstallieren können müssen. Doch Google nutzt eine Grauzone: AI-Modelle werden oft als „Systemkomponenten“ klassifiziert, die nicht einfach entfernt werden dürfen. Die FSFE argumentiert, dass dies gegen den Grundsatz der Geräte-Neutralität verstößt – also das Recht, Technologie ohne Diskriminierung durch Gatekeeper zu nutzen.

### Das Paradox des DMA: Warum Interoperabilität nicht reicht

Ein aktueller Kommentar der European Commission’s Joint Research Centre zeigt das strukturelle Problem: Der DMA verlangt funktionale Gleichwertigkeit zwischen Googles eigenem AI-Assistenten und Drittanbieter-Apps. Doch Android ist kein offenes System, sondern ein fragmentiertes Ökosystem, in dem Google durch proprietäre APIs und Verifizierungsprozesse die Kontrolle behält.

Drittanbieter-AI-Apps haben keinen gleichberechtigten Zugang zu Systemfunktionen wie: - Kontextzugriff (z. B. Kalender, Kontakte) - Geräteweite Steuerung (z. B. Sprachbefehle über alle Apps hinweg) - Ressourcenverteilung (z. B. CPU/GPU-Nutzung für AI-Workloads)

Das Ergebnis: Selbst wenn der DMA Google zwingt, APIs zu öffnen, können Drittanbieter diese nicht sinnvoll nutzen, weil Google die Architektur kontrolliert.

### Device Neutrality: Der fehlende Baustein für echte Nutzerfreiheit

Die FSFE fordert seit Jahren Device Neutrality – also das Recht, auf jedem Gerät freie Software zu nutzen, ohne von Herstellern oder Gatekeepern blockiert zu werden. Doch die Realität sieht anders aus:

- 90% der Smartphones laufen mit Android, das zu großen Teilen auf proprietären Google-Diensten basiert. - Vorinstallierte AI-Modelle (z. B. für Sprachassistenten oder Bildbearbeitung) sind oft nicht quelloffen und lassen sich nicht ersetzen. - Google Play Services fungieren als technische Sperre – Drittanbieter können viele Funktionen nicht nutzen, ohne sich Googles Ökosystem zu unterwerfen.

### Was jetzt passieren muss

Die FSFE hat konkrete Schritte vorgeschlagen, um die DMA-Regeln wirksam zu machen:

1. Verbot von „unsichtbaren“ Installationen – AI-Modelle dürfen nicht ohne explizite Nutzerzustimmung installiert werden. 2. Verbot von automatischer Reaktivierung – Deinstallierte Komponenten dürfen nicht heimlich wieder aktiviert werden. 3. Entkopplung von Interoperabilität und Googles Entwicklerprogramm – Entwickler müssen Zugang zu Android-Funktionen erhalten, ohne sich Googles Verifizierung unterwerfen zu müssen. 4. Transparenzpflichten für vorinstallierte Software – Nutzer müssen klar erkennen können, welche AI-Modelle auf ihrem Gerät laufen und wie sie entfernt werden können.

### Fazit: Der DMA ist ein Schritt in die richtige Richtung – aber noch nicht genug

Der Digital Markets Act ist ein wichtiges Instrument, um die Macht von Gatekeepern wie Google einzudämmen. Doch wie die aktuellen Fälle zeigen, reicht das allein nicht aus. Die EU muss sicherstellen, dass:

- Nutzer wirklich die Kontrolle über ihre Geräte behalten – nicht Google oder andere Gatekeeper. - Interoperabilität nicht nur auf dem Papier, sondern in der Praxis funktioniert. - Device Neutrality kein leeres Versprechen bleibt, sondern durchsetzbar wird.

Ohne diese Maßnahmen wird der DMA zu einem Papiertiger – und Google behält die Kontrolle über die digitale Zukunft Europas.

Der Kampf um Geräte-Neutralität ist noch lange nicht vorbei. Doch mit dem DMA hat die EU ein mächtiges Werkzeug in der Hand – wenn sie es konsequent anwendet. Nutzer müssen sich nicht damit abfinden, dass Google ihre Geräte mit unlöschbarer AI-Software vollstopft. Die FSFE zeigt mit ihrer Kritik konkrete Wege auf, wie der DMA seine volle Wirkung entfalten kann.

Quellen: fsfe.org

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